Workshop Visualität und visuelle Methoden in der Geographie

Workshop Visualität und visuelle Methoden in der Geographie

15.10.2018

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Dr. Anna-Lisa Müller (Universität Bremen), Dr. Jeannine Wintzer (Universität Bern)

 

Am 6. und 7. September 2018 trafen sich Personen aus Wissenschaft und Praxis im Tagungshaus „Haus am Steinberg“ in Goslar, um im Rahmen der Jahrestagung des AK Qualitative Methoden über Visualität und Theorien und Methoden qualitativer, visueller Sozialforschung sowie die Herausforderungen und Möglichkeiten insbesondere unter raumbezogenen Kontexten zu diskutieren. Das Programm bot einen breiten Einblick in die Palette visueller Methoden innerhalb der Geographie. Die fünf Vorträge adressieren Methoden wie Reflexive Fotografie, auf Fotos gestützte qualitative Interviews, fotografische Dokumentation und Photo-Elizitation ebenso wie Fragen nach der Visualisierung von (geographischen) Forschungsergebnissen. Ergänzt wurden die Vorträge und inhaltlichen Diskussionen durch eine Exkursion in die Altstadt der Weltkulturerbestadt Goslar. Diese Exkursion leitete Verena Röll von der Leibniz Universität Hannover, die den TeilnehmerInnen auf diese Weise und nach einem einführenden Vortrag Ergebnisse aus ihrem Forschungsprojekt zur Wahrnehmung der Weltkulturerbe-Debatte von Jugendlichen vorstellte. Die auf diese Weise doppelte visuelle Erfahrung – zum einen durch die eigene visuelle Erfahrung Goslars während des Stadtrundgangs, zum anderen vermittelt über die von Verena Röll vorgestellten und von den Jugendlichen selbst angefertigten Fotografien ausgewählter Orte in der Stadt – stellte eine instruktive Verbindung von theoretischer und methodologischer Reflexion und eigener empirischer Erfahrung dar.

 

Jana Kühl (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) diskutierte am Beispiel ihrer Forschungsarbeit zu urbanem Grün die Anwendbarkeit von Fotografien für die Dokumentation von Raumkonstruktionen. Die über diese visuelle Methode eröffneten Möglichkeiten, sich der unbewussten und vorreflexiven Wahrnehmung von Stadt im Alltag der BewohnerInnen zu nähern, kamen ebenfalls zur Sprache. Ähnlich argumentierten Anthony Miro Born, Janina Dobrusskin und Ylva Kürten (alle Humboldt-Universität zu Berlin), die ihr Forschungsdesign zur Untersuchung von affektiven und alltäglichen Aspekten von Raumwissen vorstellten und bezogen auf eine international vergleichende Untersuchung von Sicherheitsempfinden diskutierten. Die Position der Forschenden nahm Nora Küttel (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) in den Blick, die in ihrem Vortrag die Methoden der Fotografie und der Reflexiven Fotografie auf die Autoethnographie ihres Forscherinnenalltags in Detroit, USA, übertrug und die doppelte Visualität der Forschungspraxis vorstellte. Kristine Beurskens (Leibniz-Institut für Länderkunde) adressierte schließlich die Frage, auf welche Weise GeographInnen (ihre) Forschungsergebnisse selbst visualisieren und leitete damit in eine intensive Diskussion über die Verbindung von Visualität, visuellen Methoden, Wissen und Wissensdarstellungen in der Geographie über.

 

Die Vorträge bildeten die Grundlage für eine über den Workshop hinausragende intensive Diskussion der Möglichkeiten und Herausforderungen qualitativer Methoden im Allgemeinen und visueller Methoden im Besonderen, welche für die Geographie von besonderer Bedeutung ist. Dabei wurde nicht nur die visuelle Tradition der Geographie als eine mit Karten und Abbildungen arbeitende Disziplin thematisiert, sondern auch die Gemeinsamkeiten und Differenzieren zwischen qualitativer und quantitativer und zwischen humangeographischer und physisch-geographischer Arbeit thematisiert.

 

Darüber hinaus bot der Workshop Zeit undRaum für Erfahrungsberichte mit Blick auf Zugänge zum Feld und Positionalisierung innerhalb des Feldes sowie Auseinandersetzungen mit dem „Aushalten“ offener Forschungshaltungen und der Darstellungsmöglichkeit von Forschungsergebnissen abseits des linearen Textes. Damit zeigte der Workshop, dass qualitative Forschungsmethoden und -methodologien für raumbezogene Kontexte weiterhin einer intensiven Diskussion bedürfen, die nicht zuletzt auf der kommenden Jahrestagung des AK Qualitative Methoden in der Geographie fortgeführt werden. Diese Jahrestagung findet vom 18.-19.3.2018 wiederum im Tagungshaus „Haus am Steinberg“ in Goslar statt und legt einen Schwerpunkt auf „Qualitative Methoden und Partizipation“. Der AK freut sich weiterhin über Interesse an der Arbeit; Interessierte können gerne mit der Sprecherin Dr. Jeannine Wintzer (jeannine.wintzer@giub.unibe.ch), Universität Bern, und der stellvertretenden Sprecherin, Dr. Anna-Lisa Müller (anna-lisa.mueller@uni-bremen.de), Universität Bremen, Kontakt aufnehmen.

 

Bericht (PDF)