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Call for Contributions: Jahrestagung 2021 des AK Geographische Migrationsforschung

Jahrestagung 2021 des AK Geographische Migrationsforschung

PD Dr. Anna-Lisa Müller (Heidelberg/Osnabrück) & Dr. Leonie Tuitjer (Hannover)
Migration und Infrastrukturen
-Call for Contributions-

Migration als sozialräumliches Phänomen ist eng mit Infrastrukturen verbunden. So werden Verkehrsinfrastrukturen genutzt, um räumlich mobil zu sein, und es werden Kommunikationsinfrastrukturen verwendet, um Informationen auszutauschen und soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Institutionelle Infrastrukturen werden eingesetzt, um Migration vor Ort zu strukturieren und (ein) zu ordnen, und technische Infrastrukturen kommen für das Monitoring und die Kontrolle von Migration zur Anwendung. Infrastrukturen ermöglichen, erschweren und verhindern damit Migration. Gleichzeitig erzeugt Migration damit auch spezifische migrationsbezogene Infrastrukturen, etwa Netzwerke und Bildungsangebote (soziale Infrastrukturen) oder Smartphone-Applikationen zur Kommunikation zwischen Migrant*innen oder Kontrolle von Migrationsbewegungen (technologische Infrastrukturen). Nicht zuletzt die öffentlich und medial oft kontrovers geführten Debatten um sogenannte Ankunftszentren, Grenzschließungen zur Bekämpfung einer Pandemie, tracing-apps und Integrationskurse verweisen auf die immense Bedeutung von Infrastrukturen für Migration, Migrant*innen und Migrationsgesellschaften und das Konfliktpotential. Ebenso werden hier die Dynamiken von Macht und das Aushandeln von Rechten im Nexus von Infrastrukturen und Migration deutlich. Dabei wird auch deutlich, dass Infrastrukturen neben der räumlich-technisch-sozialen Dimension eine wichtige zeitliche Komponente beinhalten, denn bestimmte Infrastrukturen sind in einigen Etappen der Migration bedeutsamer als andere.

In Situationen der Neuorientierung in fremden Gesellschaften ist das Lernen von, mit und über Infrastrukturen überdies sehr präsent. So stehen Zugewanderte der Herausforderung gegenüber, Sprache, Alltag und Kultur und die damit verbundenen Infrastrukturen eines neuen Landes erlernen zu müssen. Dazu gehört es beispielsweise, Praktiken der Nutzung von Verkehrsinfrastrukturen (Busfahren, Zugfahrpläne, Ticketsysteme und Parkregeln) zu erlernen oder sich das Funktionieren von sozialen Infrastrukturen (Bildungseinrichtungen, Gesundheitssystem, Sportanlagen) anzueignen. In Anlehnung an neuere Arbeiten aus der Kultur- und Sozialgeographie verstehen wir Lernen als komplexen Vorgang der Aneignung, der sowohl räumliche als auch zeitliche Dimensionen beinhaltet und von einem ungleichen Zugang zu Ressourcen mitbestimmt wird.

Daran anknüpfend soll auf der Jahrestagung neben der grundsätzlichen Frage nach der Beziehung von Infrastrukturen und Migration diskutiert werden, welche Rolle das Lernen und andere soziale Praktiken von und mit Infrastrukturen im Kontext von Migration und Flucht spielt. Vor dem Hintergrund der Entstehung postmigrantischer Gesellschaften und der damit verbundenen Neuordnung von sozialräumlicher Organisation sehen wir hierin einen wichtigen Forschungsgegenstand für die Geographie.

Bei der Jahrestagung 2021 wollen wir daher den Blick auf den Nexus von Migration und Infrastrukturen richten. Neben den Infrastrukturen der Migration und der Bedeutung von Infrastrukturen für Migration soll sich der Blick dabei besonders auf die erlernten und zu erlernenden Umgangsweisen mit Infrastrukturen richten.

Beiträge können sich an folgenden Leitfragen orientieren, aber auch über diese hinausgehen:
• Wie werden Infrastrukturen an (neuen) Orten gelernt?
• Welche Rolle spielen Infrastrukturen für Migration?
• Welche migrationsbezogenen Infrastrukturen entstehen an Orten?
• Welche Rolle spielen welche Infrastrukturen an welchen Momenten der Migration?
• Wie wirken sich Infrastrukturen auf die Zeit- und Raumordnungen der Migrant*innen aus?
• Welche Konfliktpotentiale entstehen um die Deutung und Nutzung von Infrastrukturen? Welche gesellschaftlichen (Macht)Verhältnisse werden so womöglich sichtbar?

Für die Jahrestagung laden wir dazu ein, sowohl theoretisch-konzeptionelle als auch empirisch basierte Vortragsangebote, die die genannten Themen adressieren, einzureichen. Zudem gibt es die Möglichkeit, laufende Forschungen aus dem Bereich der Geographischen Migrationsforschung vorzustellen. Bitte senden Sie in beiden Fällen Ihre Beitragsvorschläge (ca. 300 Worte) inklusive einer biographischen Kurznotiz (ca. 150 Worte) als pdf-Datei bis zum 15. März 2021 per E-Mail an die Organisatorinnen Anna-Lisa Müller (anna-lisa.mueller@uni-heidelberg.de) und Leonie Tuitjer (tuitjer@kusogeo.uni-hannover.de).

Die Tagung wird, sofern möglich, vom 1.-3. Juli 2021 als Präsenzveranstaltung mit entsprechendem Hygienekonzept an der Universität Heidelberg stattfinden (Donnerstag Abend bis Samstag Mittag). Sollte die pandemiebedingte Situation keine Präsenzveranstaltung erlauben, wird die Jahrestagung in den virtuellen Raum verlegt und/oder in einer Hybridform stattfinden. Ziel der Tagung ist es neben dem Austausch über die und der Diskussion der Forschung, Beiträge in einen Sammelband oder ein Special Issue zum Thema „Migration und Infrastrukturen“ zu überführen.

 

Call for Contributions (PDF)

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