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Aufruf zur Gründung des ‚Arbeitskreis Labour Geography‘

Gründungstreffen am Freitag, 07.02.2020, 11-18 Uhr, Universität zu Köln

Vor rund zwei Jahrzehnten prägte Andrew Herod (1997) mit der Begründung der ‚Labour Geography‘ einen grundlegenden Wandel in der geographischen Auseinandersetzung mit Arbeit. Während bis dato in der Wirtschaftsgeographie Arbeit und Arbeiter*innen entweder aus neoklassischer Perspektive als Produktionsfaktoren oder aus marxistisch-regulationstheoretischer Perspektive als Objekt von Staats- und Kapitalinteressen betrachtet wurden, rückte nun der arbeitende Mensch als eigensinniges, geographisch handelndes Subjekt in den Fokus des Erkenntnisinteresses (Lier 2007). In der frühen Phase der ‚Labour Geography‘ bildeten gewerkschaftliche Kämpfe in den sogenannten Industrienationen den Hauptforschungsgegenstand der Sub-Disziplin (z.B. Herod 2001, Castree et al. 2004). Seit den 2000er Jahren umfassen die Themen der ‚Labour Geography‘ auch Fragen zum Zusammenhang von Arbeit und Identität (McDowell 2010), zur ‚micro-agency‘ von Arbeiter*innen außerhalb von formellen Organisationsformen (Carswell/De Neve 2013), zur Rolle von Arbeiter*innen in Globalen Produktionsnetzwerken (Cumbers 2008, Rainnie et al. 2011, Taylor et al. 2015) sowie jüngst insbesondere zu Formen und Folgen von Prekarisierung der Arbeit (Strauss 2017). Dabei ist nicht nur in thematischer Hinsicht eine zunehmende Adoption von Perspektiven der ‚Labour Geography‘ in der wirtschaftsgeographischen Forschung zu beobachten. Mit der Einführung und Verbreitung von partizipativen Ansätzen wie ‚action research‘ (Hale/Wills 2007) hat die Labour Geography auch das methodische Spektrum der Wirtschaftsgeographie erweitert.

Um Perspektiven, Konzepte und Forschungsansätze der ‚Labour Geography‘ auch in der deutschsprachigen Geographie stärker zu verankern, wollen wir mit der Gründung eines an den  VDGH angegliederten ‚Arbeitskreises Labour Geography‘ eine Plattform zur Vernetzung von Geograph*innen und Wissenschaftler*innen aus verwandten Disziplinen schaffen, die kritisch zu Zusammenhängen von Arbeit und Raum forschen. Gemeinsam wollen wir Konzepte, Theorien und Methoden der ‚Labour Geography‘ diskutieren und vor dem Hintergrund aktueller sozioökonomischer Transformationsprozesse weiterentwickeln. Dabei stellen sich unter anderem folgende Fragen:

  • Wie können wir Alltagshandeln von (Lohn-)Arbeiter*innen mit gesellschaftstheoretischen, polit-ökonomischen und -ökologischen sowie feministischen Perspektiven zusammenbringen?
  • Welche aktuellen Veränderungen in der Organisationsweise von (transnationaler) Produktion sind relevant und wie analysieren wir sie aus einer Perspektive der ‚Labour Geography‘?
  • Wie konzeptionalisieren wir repressiv-reaktionäre Orientierungen (Rassismus, Sexismus etc.) im Zusammenhang mit (Lohn-)Arbeit und Raum?
  • Was sind Formen lokaler/transnationaler Organisierung von Arbeiter*innen, die es schaffen Gegenmacht aufzubauen? Wie wird und/oder kann in diesem Zusammenhang Raum aktiv genutzt werden?
  • Wie kann transformative Forschung in Zusammenarbeit mit Akteur*innen aus Arbeiter*innenbewegungen aussehen?

Wir laden alle interessierten Wissenschaftler*innen aus der Geographie und verwandten Disziplinen zum Gründungstreffen des ‚AK Labour Geography‘ in Köln am 07.02.2020 von 11-18 Uhr in Köln ein.

Herzliche Grüße

Michaela Doutch (Universität Bonn), Stefanie Hürtgen (Universität Salzburg), Tatiana López (Universität zu Köln), Oliver Pye (Universität Bonn)Nadine Reis (El Colegio de México)

Anmeldungen zum Gründungstreffen bitte bis zum 19.01.2020 per Email an lopez@wiso.uni-koeln.de

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