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Call for Contributions: Symposium zu aktuellen religionsgeographischen Perspektiven auf eine hyperglobalisierte Weltgesellschaft des AK Religionsgeographie

Religion matters!
Symposium zu aktuellen religionsgeographischen Perspektiven auf
eine hyperglobalisierte Weltgesellschaft

Datum: 6. April 2022
Uhrzeit: 14 – 18 Uhr (Online)
Link: wird rechtzeitig auf https://ak-religionsgeographie.de bekannt gegeben


Wenngleich die Trennung von Religion und Staat (speziell im globalen Norden) ein verbreitetes Paradigma ist, ist die Trennung von Religion und Nation/Gesellschaft nicht gleichermaßen unhinterfragt. Vielmehr durchziehen religiöse Bezüge viele Verfassungen, gesellschaftliche Institutionen und staatliche Praktiken. Ebenso offenbaren, global betrachtet, die vielfältigen Religionsbezüge in politischen und sozialen Bewegungen die Exzeptionalität säkularer Gesellschaftsfundamente. Wird dies in vielen Kontexten des globalen Südens besonders deutlich (bspw. Gebauer 2021; Hutta 2021), so spielt das Religiöse aktuell auch in vielen nordatlantischen Debatten rund um Politik und Gesellschaft eine wesentliche Rolle, wie aktuelle Auseinandersetzungen rund um Geschlecht (siehe Behrensen u.a. 2018) oder muslimische Geflüchtete in Polen oder Ungarn bezeugen. Die zunehmende Präsenz des Religiösen im politischen Raum ist vor einigen Jahren mit der Diskussion um den Anbruch eines postsäkularen Zeitalters (Habermas 2001; Taylor 2009; Lutz-Bachmann 2015) adressiert worden. Dies wurde auch in Bezug auf geographische Frage- und Problemstellungen ausgiebig diskutiert (Beaumont & Baker 2011; Gökarıksel & Secor 2015; Korf 2018). Gleichzeitig sind Religionsbezüge häufig eng mit wirtschaftlichen Praktiken verknüpft, etwa im Zusammenhang mit religiösen Vorschriften entsprechenden Nahrungsmitteln oder wenn Pfingstkirchen zu transnationalen Großunternehmen ausgebaut werden (Oro 2019).

Religionsgeographische Forschungen des Transzendentalen in einer hyperglobalisierten Welt, in der soziale und politische Bewegungen sich immer enger – aber auch ungleich – diskursiv und praktisch vernetzen, müssen dabei nicht unbedingt auf eine deskriptive Perspektive beschränkt sein. Vielmehr erfordern sie auch kritische Interventionen zum Nexus von Religion, Gesellschaft und Ethik. Das Auftreten religiöser Bezüge im „Erscheinungsraum des Politischen“ (Arendt) kann Aufschluss darüber
geben, wie die politische Vereinnahmung des Religiösen mit der religiösen Vereinnahmung des Politischen verwoben ist. So hat beispielsweise der amerikanischen Politikwissenschaftler William E. Connolly (2005, 2008) mit Bezug zur Verschränkung von Evangelikalismus und Kapitalismus in den USA von der Herausbildung von „Resonanzmaschinen“ gesprochen, die Bereiche von Politik, Religion, Ökonomie und Alltagsleben in intensive ethisch-affektive Wechselbeziehungen bringen. Nicht zuletzt
angesichts einer in einigen religiösen Diskursen vorherrschenden apokalyptischen Weltdeutung mit Bezug auf globale Veränderungen (Klimawandel, Pandemie), die Religion vielerorts auch in regressive politische Bewegungen einbindet, erscheint eine gesellschaftskritische Analyse des Religiösen auch aus geographischer Perspektive von großer Relevanz.

Das Symposium „Religion matters!“ wird von einem kommissarischen Leitungsteam des AK Religionsgeographie organisiert und strebt eine Standortbestimmung der geographischen Religionsforschung an. Das Symposium will dazu einen Raum für Einblicke in aktuelle Forschungsvorhaben eröffnen. Weiterhin soll eine Vernetzung von Forschenden, die sich mit Fragen von Raum, Gesellschaft und Religion – auch ohne strikte Verortung in der geographischen Religionsforschung – angeregt werden. Als Kick-Off wird die Keynote von Tristan Sturm (Queen’s University Belfast) dienen. Danach stellen Forschende aktuelle Projekte und Projektvorhaben zur Diskussion. Abschließend laden wir alle Teilnehmenden und Interessierten zu einer offenen Diskussionsrunde bezüglich der zukünftigen Aufstellung des AK Religionsgeographie ein.


Wir rufen hiermit alle Interessierten zur Einreichung von Schlaglicht-Beiträgen bis zum 15.02.2022 per E-Mail an frank.meyer1@tu-dresden.de auf. Rückmeldungen zur Annahme werden bis zum 28.02.2022 versandt.

Die vorzustellenden Schlaglichter können laufende oder kürzlich abgeschlossene religionsgeographische Forschungsprojekte umfassen, gerne aber auch konzeptionelle und methodologische Interventionen bzw. zukünftige Vorhaben oder Ideenfragmente. Der Call ist thematisch bewusst offengehalten. Adressiert werden könnten zum Beispiel Frage- und Problemstellungen, die sich dem Verhältnis von Gesellschaft, Raum, Globalisierung und Religion widmen, etwa:

  • Globale Ökonomien der Religion, Politische Ökonomie der Religion
  • Politische Mobilisierung von Religion
  • Verbindung von politischer und religiöser Rechter
  • Demographischer Wandel, Bevölkerungspolitiken und Religion (bspw. mit Bezug zu Körperpolitiken wie Abtreibung etc.)
  • Feministische Perspektiven auf Körper und Religion, Patriarchat
  • Translokalität und Religion, Religion und Migration
  • Heterodoxe Religion und religiöse Subalterität
  • Religiöse Bewegungen im Globalen Süden
  • Neokolonialismus und missionarischer Transnationalismus
  • Postmigrantische Gesellschaften und Religion
  • Neuer Irrationalismus in globaler Vernetzung
  • Geopolitik und Religion (z. B. Vatikan)
  • Politische Theologie, Theologisierung des Politischen
  • Säkularer und religiöser Messianismus

Programm
14:00 Uhr Begrüßung mit Vorstellung des AK Religionsgeographie und dessen Perspektive
14:15 Uhr Keynote Tristan Sturm Spaces of Religious and Post-Secular COVID-19 Apocalypses: Geographies of Constituent Hope” anschließend: Diskussion
15:45 Uhr Pause
16:00 Uhr Schlaglichter aktueller geographischer Religionsforschung
17:30 Uhr Ideendiskussion zur Zukunft des AK

Call for Contributions (PDF)

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