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Call for Paper: Tagung des AK Geographische Migrationsforschung

Krisen als Thema in der geographischen Migrationsforschung

Call für die Tagung des AK Geographische Migrationsforschung, 19./20.11.2020, FU Berlin

Krisenhafte Momente in unterschiedlichen Bereichen werden oft getrennt nach zeitlichen, geographischen oder thematischen Dimensionen beforscht. Sie lassen gesellschaftliche Ungleichheiten sichtbar werden und stellen die Weichen für mögliche Veränderungen. Auch die Geographische Migrationsforschung (GMF) hat sich in den letzten Jahren mit unterschiedlichen Krisen beschäftigt bzw. auf diese reagiert: Der ‚lange Sommer der Migration‘ 2015, die nachfolgende Krise des Europäischen Asylsystems und die damit verbundene lokale Governance-Krise boten eine Fülle neuer Problemstellungen, die mit einer massiven Ausschüttung von Fördermitteln sowie einem rapiden Anstieg der Wissensproduktion und Institutionalisierung einhergingen (Kleist 2018). Vereinzelt hat die GMF diese Krisen auf Arbeits- und auf Forschungsebene bereits zusammen gedacht: So waren die medial präsenten Ausschreitungen in Chemnitz 2018 Anlass für eine Vernetzung in der Forschung zur ‚Neuen Rechten‘ („Post-Chemnitz Diskussion“, Osnabrück). Langfristige Krisenverläufe wie die von Klimawandel und Migration sind seit längerem ein etabliertes Thema in der GMF. Durch Covid-19 als globale Krise werden die gesellschaftspolitischen Brüche und damit die Notwendigkeit der weiteren Beforschung und Verschränkung dieser Themen jedoch noch einmal besonders deutlich: die Vulnerabilität von Gesellschaften, prekäre Beschäftigung, Ungleichheiten im Bildungssystem, Immobilitäten, Abschottung des EU-Migrationsraums und die Notwendigkeit von Legalisierungen für den EU-Arbeitsmarkt. Die geographische Migrationsforschung interessiert dabei, an welchen Orten diese Krisen stattfinden, wie sie sich räumlich auswirken und welche räumlichen Semantiken sie (re-) produzieren (vgl. Runkel und Everts 2017).

Um sich einmal intensiv mit diesen unterschiedlichen Ausgestaltungen von Krisenverläufen und der damit verbundenen Forschung zu beschäftigen, lädt die zweitätige AK-Tagung dazu ein, in reflexiver Weise Überlegungen zum Potential alternativer Krisendeutungen und -praktiken anzustellen und diese zu diskutieren. Anhand des Konzepts der „multiplen Krise“ (Brand und Wissen 2017) lässt sich der Fokus auf Widersprüche des globalisierten Kapitalismus legen, die mit einer räumlichen Fragmentierung, ungleichzeitigen Entwicklungen und Interdependenzen von Krisen einhergehen. Mit dem Konzept kann die GMF die

Verflechtungen der ‚multiplen Krise‘ – vom Sommer der Migration bis Covid-19 – herausarbeiten und Reichweiten bisheriger Ansätze darin reflektieren. Damit hoffen wir, der GMF Impulse zur Entwicklung proaktiver und selbstbestimmter Modi der Krisenbeforschung geben zu können und laden konzeptionelle, empirisch-analytische, methodische sowie gesellschaftspolitische Beiträge ein

(a) zur Erforschung bzw. zum Verständnis von Migration vor dem Hintergrund krisenbehafteter Gesellschaftstransformationen,

(b) zur Art und Weise, wie die GMF Migration in einer Krisenperspektive beobachtet und damit den Nexus „Migration und Krise“ mit hervorbringt,

(c) zu Herausforderungen für die GMF in Krisenzeiten (empirisches Arbeiten und Vernetzung),

(d) zur Frage, worin der gesellschaftliche Beitrag des AK GMF zur Krisenthematik liegen könnte (wie z.B. Öffentlichkeitsarbeit, Wissenstransfer).

Tagungsbeiträge sind in unterschiedlichen Formaten erwünscht und können von Präsentationen über offene Diskussionsformate (bspw. Open Spaces) bis hin zu interaktiven Workshops reichen. Besonders freuen wir uns über Einreichungen durch Promotionsstudierende sowie über Beiträge, die migrantisierte, genderbezogene, postkoloniale und BIPoC-Perspektiven einnehmen. Sollte eine Präsenzveranstaltung in Berlin nicht möglich sein, wird die Konferenz online stattfinden. Ein eigenständiger Programmpunkt während der AK-Tagung wird eine Mitgliederversammlung sein, die eine Neuaufstellung des Sprecher*innenteams und einen offenen Austausch über die Zukunft des AK vorsieht.

Abstracts im Umfang von max. 500 Wörtern können unter Angabe des Titels, der inhaltlichen und methodischen Ausrichtung (inkl. notwendiger technischer und Materialausstattung) bis zum 1.10.2020 an ag-globalisierung@geo.fu-berlin.de eingereicht werden. Rückfragen bitte an antonie.schmiz@fu-berlin.de. Wir freuen uns über zahlreiche Beiträge!

Die AG Globalisierung, Transformation, Gender am Institut für Geographische Wissenschaften der FU Berlin

 

Literatur:

Brand, U.; M. Wissen 2017: Imperiale Lebensweise: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus. München: Oekom Verlag.

Kleist, J. O.; M. Engler; B. Etzold; K. Mielke; J. Oltmer; A. Pott,; C. Schetter; L. Wirkus (2019): Flucht- und Flüchtlingsforschung in Deutschland – Eine Bestandsaufnahme. Abschlussbericht, Verbundprojekt ‚Flucht: Forschung und Transfer’, Osnabrück: Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück / Bonn: Internationales Konversionszentrum Bonn (BICC).

Runkel, S.; J. Everts 2017.: Geographien sozialer Krisen/Krisen sozialer Geographien, Geogr. Helv., 72, 475–482, https://doi.org/10.5194/gh-72-475-2017.

 

Call for Paper (PDF)

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