Ringvorlesung der Universität Bonn: Stadt im Wandel: neue geographische Perspektiven

Ringvorlesung der Universität Bonn: Stadt im Wandel: neue geographische Perspektiven

05.10.2018

 

Organisiert von:
AG Wirtschaftsgeographie
AG Stadtgeographie
AG Sozialgeographie

 

Im Rahmen von:
Mittwochs im GIUB: jeweils um 18:15 Uhr im Alfred-Philippson-Hörsaal

 
 

Städte sind seit jeher Schauplatz und Kristallisationspunkt gesellschaftlichen Wandels. Auch heute bestimmen vielfältige Herausforderungen die Diskussion um die Stadt von morgen. Megatrends wie die Digitalisierung und Fragen der Gesundheitsversorgung in einer alternden Gesellschaft treffen dabei auf bekannte Probleme städtischen Wachstums wie die Frage nach bezahlbarem Wohnraum und sozialräumliche Ungleichheiten. In dieser Vorlesungsreihe laden wir Forscherinnen und Forscher ein, die diese Fragen mit innovativen Ansätzen untersuchen. Dabei sollen Ihre Forschungen und Ergebnisse mit Praxis-Perspektiven aus der Bonner Stadtentwicklung zusammen diskutiert werden. Wie lassen sich neue Herausforderungen erklären? Und was bedeutet das für Lösungen in der Praxis?

 

KONZEPT: WISSENSCHAFT TRIFFT PRAXIS
Im WiSe 2018/19 treffen mittwochs im GIUB Wissenschaftler*innen auf Praktiker*innen, d.h. auf einen wissenschaftlichen Inputvortrag folgen ein Praxiskommentar und eine Diskussion mit dem Publikum.

 
 

24.10.2018
Green City? Städtische Nachhaltigkeitsansätze aus Sicht des Umlands

Prof. Dr. Samuel Mössner, Universität Münster | Praxiskommentar: Andreas Rüther, Bonn im Wandel

 

Ziel nachhaltiger Stadtpolitik ist es, eine saubere Umwelt, wachsende Wirtschaft und harmonische Gesellschaft bei gleichzeitiger Reduzierung von CO2 und anderen Treibhausgasen umzusetzen. Dabei dominiert häufig eine Vorstellung von Transformation, welche die Stadt nur innerhalb ihrer administrativen Grenzen begreift. Der Vortrag schlägt eine alternative Sichtweise vor. Am Beispiel der Green City Freiburg wird nachhaltige Stadtentwicklung aus Sicht des Umlands betrachtet und der Blick damit auf die regionale Einbettung der städtischen Nachhaltigkeitsansätze gerichtet. Durch Widersprüche und Kontroversen zwischen der Stadt Freiburg und ihrem Umland werden neue Fragen der Steuerung und Planung überörtlicher Nachhaltigkeitsansätze aufgeworfen.

 
 

07.11.2018
Die Rückkehr der Wohnungsfrage und wohnungspolitische Konflikte in deutschen Großstädten

Dr. Sebastian Schipper, Universität Frankfurt | Praxiskommentar: Bernhard Faller, Quaestio Forsch. & Berat.

 

Im Anschluss an die globale Finanzkrise von 2008 sind Mieten und Wohnungspreise insbesondere in prosperierenden Metropolregionen sowie in Groß- und Universitätsstädten deutlich gestiegen. Für einkommensschwache Haushalte und zum Teil selbst für Mittelschichten wird es immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu finden. Vor diesem Hintergrund analysiert der Vortrag die Gründe für die gegenwärtige Wiederkehr der Wohnungsfrage und diskutiert mögliche Strategien für eine nichtprofitorientierte Wohnraumversorgung, die die Leistbarkeit des Wohnens für alle sicherstellt.

 
 

14.11.2018
International Lecture
Urban Automation and Robotics – A Case for Geography?

Prof. Dr. Simon Marvin, University of Sheffield | kein Praxiskommentar

 

The digital transformation is changing the ways we work and live, but also how cities are developing. Data on urban flows are gathered and processed in real-time, supported by smart algorithms to make decisions for complex situations. On the hardware side, robotics are potentially transforming the workplace, but also the delivery of urban services such as cleaning and security. This International Lecture will discuss the role geography as a discipline can and should play for understanding and making sense of these ongoing processes. What is the specific contribution of geographers can make for understanding digital urban transformations?

 
 

28.11.2018
Zwischen Willkommensdiskurs und Brennpunktrhetorik. Migration und Stadtentwicklung in Deutschland

Dr. Stefanie Föbker, Universität Bonn | Praxiskommentar: Dr. Marius Otto, Stadt Aachen

 

Nicht erst seit dem „langen Sommer der Migration“, sind die Themen Stadtentwicklung und Migration eng miteinander verknüpft. Dabei prägen derzeit zwei unterschiedliche Sichtweisen auf Migration die Debatte. Zum einen wird die Zuwanderung kreativer Köpfe als Potenzial für die lokale Wirtschaft verstanden. Zum anderen wird Migration im Zusammenhang mit einer wachsenden Ungleichheit innerhalb der Städte unter dem Schlagwort Segregation als ein Problem der Stadtentwicklung diskutiert. Migration ist somit zugleich Teil einer kommunalen Wachstumspolitik wie einer sozialen Ausgleichspolitik. Dieses Spannungsfeld wird der Vortrag aufnehmen und anhand aktueller Entwicklungen in nordrhein-westfälischen Städten diskutieren.

 
 

12.12.2018
Kommunale Bildung und Städtische Ungleichheiten. Möglichkeiten und Grenzen

Dr. Anika Duveneck, Freie Universität Berlin | Praxiskommentar: Barbara Pampe, Montag Stiftung

 

Obwohl Bildung Ländersache ist, sind Städte heute Kristallisationspunkte und Motoren bildungspolitischer Umstrukturierungen. Kommunaler Jugendarbeit, Kultur und Sport wird zugesprochen, die Effekte herkunftsbedingter Benachteiligung gezielt zu mindern. Andersherum entdecken Städte die Bedeutung von Bildung als Standortfaktor und haben Interesse an mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Doch gleichzeitig zur Kommunalisierung von Bildung ist eine Gegenbewegung zu verzeichnen: durch Infrastruktur-Investitionsprogramme wie die Berliner Schulbauoffensive werden die Zuständigkeiten für Schulgebäude auf die Landesebene übertragen. Der Vortrag stellt aktuelle Entwicklungen vor und diskutiert diese mit Blick auf Ungleichheiten in und zwischen Städten.

 
 

16.01.2019
Wer macht Stadt? Beteiligung und Expertise als (vermeintliche) Gegensätze der Stadtpolitik

Dr. Anne Vogelpohl, Universität Hamburg | Praxiskommentar: Michael Lobeck, promediare Bonn

 

Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger wird gefordert, wenn Expertisen aus Planung, Architektur oder Politik die Stadtpolitik als „von oben“ bestimmt erscheinen lassen. Doch auch Beteiligung hat ihre Grenzen: Oft melden sich nur jene zu Wort, die ihrer Stimme ohnehin politisch Gewicht verleihen können; oder wesentlicher Kritik wird im Lauf des Verfahrens der Wind aus den Segeln genommen, ohne dass es
wesentliche Änderungen geben würde. An den Beispielen von Management-Beratungen von McKinsey und Roland Berger, und des Hamburger Recht-auf-Stadt-Netzwerks verdeutlicht der Vortrag die Ambivalenzen stadtpolitischer Expertisen und von Beteiligung. Am Schluss werden Eckpunkte für eine wirkungsvolle und sozial gerechte Beteiligung vorgeschlagen.

 
 

30.01.2019
Gesundheitsgerechtigkeit in der Stadt

Jun.-Prof. Dr. Iris Dzudzek, Universität Münster| Praxiskommentar: MediNetz Bonn (angefragt)

 

Immer mehr Menschen in Deutschland fallen durch das Netz der Gesundheitsversorgung. Menschen in armen Stadtteilen leben im Schnitt zehn Jahre kürzer als in reichen. Gesundheit ist nicht nur ein medizinisches, sondern ein soziales und zutiefst räumliches Problem. „Thinking cities through elsewhere“ – der Vortrag nimmt diese Forderung der global urban studies auf und fragt, was die kritische Stadtgeographie des globalen Nordens von Ansätzen der kritischen Sozialepidemiologie Lateinamerikas lernen kann. Am Beispiel stadtteilbezogener, aktivistischer Angebote im Bereich unbürokratischer Gesundheitsversorgung diskutiert der Vortrag die Fragen urbaner Gesundheitsgerechtigkeit im Kontext des „Rechts auf Stadt“ und der „Solidarity City“.

 
 
Programm der Ringvorlesung (PDF)