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Bericht Jahrestagung des AK Geographische Migrationsforschung

Jahrestagung des AK Geographische Migrationsforschung

Migration und Infrastrukturen

PD Dr. Anna-Lisa Müller (Geographisches Institut, Universität Heidelberg), Dr. Leonie Tuitjer (Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie, Leibniz Universität Hannover)

Vom 1. bis 3. Juli 2021 fand an der Universität Heidelberg das Jahrestreffen des AK Geographische Migrationsforschung im Hybridformat statt. Zur Tagung mit dem Thema „Migration und Infrastrukturen“ reisten KollegInnen aus Deutschland an und waren aus Deutschland und dem europäischen Ausland zugeschaltet.

Eröffnet wurde die Tagung am 1. Juli durch den keynote-Vortrag von Solange Munoz (University of Tennessee, Knoxville, und Gastprofessorin am Geographischen Institut der Universität Heidelberg) zum Thema „Motherhood as Infrastructure“. In ihrem Vortrag argumentierte Munoz, dass persönliche Netzwerke, in denen Geschlecht und die besondere Rolle der Mutter einen zentralen Platz einnehmen, als eine spezifische Form der Infrastruktur der Migration angesehen werden können. Wenn staatliche Regulierungen fehlten, so Munoz, übernähmen die informellen Frauen- und Mütternetzwerke Aufgaben der Vermittlung und Integration von Migrantinnen. Durch einen Bezug zu Abdoumaliq Simones Konzept der „people as infrastructure“ wurde hier die agency von Migrantinnen und Müttern besonders betont.

Am 2.7. konnte der Nexus von Migration und Infrastrukturen dann in 12 Beiträgen weiter vertieft werden. Die Vorträge verteilten sich auf 4 thematische Sitzungen, von denen eine auf Englisch stattfand:

  1. Infrastrukturen in Stadt und Land (Birgit Glorius & Hanne Schneider (Chemnitz); Katrin Schade (Leipzig); Heike Hannhörster (Dortmund), Antonie Schmiz (Berlin) & Annegret Haase (Leipzig))
  2. Zugang zu Infrastrukturen (Alina Oueishek (Berlin); Nils Hans (Dortmund); Antonie Schmiz, Sylvana Jahre & Stephan Liebscher (Berlin))
  3. Die Produktion von Migration durch Infrastrukturen // The Production of Migration Through Infrastructures (Lisa Marie Borelli (Siders, CH); Hannah Uprety (Münster); Raffaela Pagogna (Wien, AT))
  4. Infrastrukturen und Technologien (Philipp Themann & Benjamin Etzold (Bonn); Martin Doevenspeck (Bayreuth); Christian Hanser (Edinburgh, UK))

Infrastrukturen wurden in diesen Beiträgen auf unterschiedliche Weise in den Blick genommen und sowohl im Sinn personeller Netzwerke als auch hinsichtlich ihrer räumlich-materiellen und zeitlichen Dimension adressiert.

Neben der Betonung von migrantischer agency standen in den Vorträgen auch die Konflikte und Aushandlungsprozesse im Aneignen von Infrastrukturen, die Wirkung von technisch-sozial-räumlichen Infrastrukturen auf den Migrationsprozess und die Rolle des Staates, der Städte und der Kommunen im Bereitstellen von Infrastrukturen im Mittelpunkt der Vorträge. Die Tagung zeigte dabei sehr deutlich, wie fruchtbar eine Verschneidung von Diskussionen aus der sozialgeographischen Infrastrukturforschung mit der geographischen Migrationsforschung ist. Die Vorträge lieferten eine hervorragende Diskussionsgrundlage und beinhalteten sowohl Promotionsprojekte als auch Einblicke in die Forschung etablierter Forschungsgruppen. Diese Diversität der Projekte und die Diskussion sowohl von Forschungsergebnissen als auch von Forschungsansätzen und Theorien zeichneten die Veranstaltung aus. Bewährt hat sich außerdem das Hybridformat der Veranstaltung, dass es zahlreichen KollegInnen trotz Reisebeschränkungen, Quarantänebestimmungen oder laufenden Feldforschungsaufenthalten im Ausland ermöglichte, an der Tagung teilzunehmen. So war der Kontakt zu den – aufgrund der Hygienemaßnahmen nur in begrenzter Anzahl zugelassenen – KollegInnen, die vor Ort in Heidelberg an der Veranstaltung teilnahmen, gewährleistet.

Ihren Schlusspunkt fand die Tagung am 3.7. mit der Posterpräsentation von Studierenden der Universität Heidelberg, die im Sommersemester im Rahmen ihres Geländepraktikums mithilfe von qualitativen Methoden das Thema „Diversität vor Ort“ erforscht hatten. Auf ihren Postern und in Kurspräsentationen stellten sie unter anderem Ergebnisse zu lokal situierten Ankunftszentren, der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Stadtplanungsprozessen, zu othering-Prozessen in sozialen Interaktionen und zum lokalen Wohnungsmarkt vor.

Die Jahrestagung wurde organisiert von PD Dr. Anna-Lisa Müller (anna-lisa.mueller@uni-heidelberg.de) und Dr. Leonie Tuitjer (tuitjer@kusogeo.uni-hannover.de). Bei Nachfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Der AK Geographische Migrationsforschung freut sich weiterhin über Interesse an der Arbeit; Interessierte finden alle wichtigen Informationen unter https://geographische-migrationsforschung.org/.

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 1: Die Jahrestagung 2021 des AK Geographische Migrationsforschung in Hybridform – hier am Ende der Abschlussdiskussion © AK Geogr. Migrationsforschung

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