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Bericht der virtuellen Jahrestagung des AK Geographische Handelsforschung am 05.06.2020

von Alexandra Appel

Supermarktregale an zwei Tagen während der Corona-Pandemie am 12. & 27. März 2020 (Fotografin: Cornelia Thierbach)

Am 05.06.2020 fand zwischen 13.00 Uhr und 16.30 Uhr die Jahrestagung des AK Geographische Handelsforschung in der Deutschen Gesellschaft für Geographie in virtueller Form einer Zoom-Konferenz mit über 70 Teilnehmer*innen statt. Aus aktuellem Anlass musste die für Hamburg geplante Jahrestagung 2020 des AK Geographische Handelsforschung mit dem Thema „Internationalität / Internationalisierung des Einzelhandels und Migrantische Ökonomien des Einzelhandels“ um ein Jahr verschoben werden. Stattdessen widmete sich die diesjährige digitale Jahrestagung dem Thema „Corona und Einzelhandel“. Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis konnten erste aktuell Beobachtungen und Erfahrungen während der Pandemie austauschen und vorstellen. Das Programm war dreigeteilt in einen ersten Block mit Begrüßung und Preisverleihung für herausragende Abschlussarbeiten, einen zweiten Block mit fünf Impulsreferaten und einen dritten Block mit einer virtuellen Podiumsdiskussion über Erfahrungen und Sichtweisen zum Umgang mit der Pandemie.

Elmar Kulke (HU Berlin) begrüßte alle Teilnehmenden und vergab im Namen des Arbeitskreises Geographische Handelsforschung auch in diesem Jahr wieder Preise für herausragende Abschlussarbeiten. Die diesjährige Preisträgerin in der Kategorie BA-Arbeit ist Carla Friedrich (RWTH Aachen) mit ihrer Arbeit „Digitalisierung des stationären Einzelhandels – eine Analyse der lokalen Online Plattform in NRW“. Cathrin Wiedemann (Universität Köln) bekam mit ihrer Arbeit „Wochenmärkte und ihr Einfluss auf das Image von Stadtteilen“ den Preis in der Kategorie MA-Arbeit.

Im zweiten Teil wurden in fünf Kurzvorträgen gegenwärtige Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unterschiedliche Einzelhandelssparten, Innenstädte und die Gastronomie vorgestellt. Zum Auftakt beleuchtet Andreas Strade (MB Micromarketing) die „Entwicklung der innerstädtischen Kundenfrequenzen“ auf Grundlage von Handy-Daten und zeigt eindrücklich die rasante Abnahme der Kundenbesuche seitdem COVID-19 am 12.03.2020 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Pandemie erklärt wurde. Im Vortrag „Notstand im Schlaraffenland“ beschreibt Linda Hering (SFB Re-Figuration von Räumen) neue räumliche Organisationsformen im Lebensmitteleinzelhandel und diskutiert die sich verändernde Wertschätzung für Produkte des täglichen Bedarfs. David Thomas (HIRMER Herrenmode) erläuterte in seinem Vortrag „Modeeinzelhandel in Zeiten von Corona“ eine mögliche Strategie für ein virtuelles Zusammenrücken lokaler Einzelhändler auf der Online-Plattform Kauflokal.de, um Online-Giganten etwas entgegenzusetzen – auch in Post-Corona-Zeiten. Martin Franz (Universität Osnabrück) stellt in seinem Kurzvortrag „Gastronomie in Zeiten von Corona“ erste Ergebnisse einer quantitativen Befragung vor. Er verweist auf die unterschiedlichen Entwicklungen in städtischen und ländlichen Räumen, die Befürchtung, dass nur Systemgastronomie die Pandemie überdauern kann sowie auf die Integration von Lieferdiensten – auch bei inhabergeführten Gastronomiebetrieben. Abschließend regt Klaus Mensing (CONVENT Mensing) in seinem Impulsreferat „Was kommt, wenn Corona geht?“ zum Nachdenken über die möglichen Folgen für Einzelhandel und Innenstädte nach Corona an.

Im dritten Teil moderierten Elmar Kulke (HU Berlin) und Alexandra Appel (JMU Würzburg) die virtuelle „Podiumsdiskussion“ mit den Diskutanten Prof. Dr. Peter Dannenberg (Universität Köln), Markus Wotruba (BBE München), Heiner Schote (Handelskammer Hamburg), David Thomas (HIRMER Herrenmoden, München). Die Expert*innen stammen aus den Bereichen Einzelhandelsunternehmen, Betriebsberatung, Wissenschaft und Politikberatung. Es wurden Fragen zu den Corona bedingten Auswirkungen auf die einzelhandelsrelevanten Produktions- und Lieferketten, das Konsumentenverhalten und bestehende Standorttrends gestellt. Diskutiert wurden auch die neue Rolle des Online-Handels, der Städte und Kommunen in der Versorgungssicherung und mögliche Strategien für den Einzelhandel in der Zukunft. Abschließend wurde die Diskussions- und Fragerunde für alle Teilnehmenden geöffnet. So entstand ein reger Austausch zwischen Akteuren aus Praxis, Beratung, Politik und Wissenschaft. Dieser Austausch ist grundlegend für die zukünftige Entwicklung möglicher Strategien für Einzelhändler, Innenstädte, Beratungseinrichtungen, Institutionen, Verwaltung und Politik. Nur so können die unterschiedlichen Perspektiven und Interessen miteinander integriert werden. Im Rahmen der virtuellen Jahrestagung konnte bislang nur über die gegenwärtigen Beobachtungen berichtet und erste Erfahrungen ausgetauscht werden. Es ist aber davon auszugehen, dass die Corona-Pandemie weitreichende Folgen haben wird. Der AK Geographische Handelsforschung bietet daher auch zukünftig eine Plattform für Dokumentation und Austausch zum Thema „Corona und Einzelhandel“ sowie zu verwandten Themen (z.B. Gastronomie, Innenstadtentwicklung). In der im Juli erscheinenden Ausgabe der „Berichte des AKs“ (https://www.geographie.hu-berlin.de/de/abteilungen/wirtschaftsgeographie/AK-Einzelhandelsforschung/publikationen/berichte/berichte-des-arbeitskreises-handelsforschung) werden die wichtigsten Inhalte der Jahrestagung zusammengefasst und dokumentiert. Alle Interessierten sind aufgerufen ihre Beiträge einzureichen.

Die ursprünglich für dieses Jahr geplante Jahrestagung des AK Geographische Handelsforschung mit dem Thema „Internationalität / Internationalisierung des Einzelhandels und Migrantische Ökonomien des Einzelhandels“ wird voraussichtlich in das Jahr 2021 verschoben und in Hamburg stattfinden. Dort sollen auch die längerfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie behandelt werden. Der genaue Termin wird in Kürze bekannt gegeben. Alle Interessierten sind hierzu herzlich eingeladen!

Bericht (PDF)

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