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4. Jahrestagung des AK Qualitative Methoden in der Geographie und der raumsensiblen Sozial- und Kulturforschung

Qualitative Methoden, Daten und die Produktion sozialer Wirklichkeit

PD Dr. Anna-Lisa Müller (IMIS, Universität Osnabrück), Dr. Jeannine Wintzer (Geographisches Institut, Universität Bern)

Am 09. und 10. März 2020 trafen sich Personen aus Wissenschaft und Praxis im Tagungshaus „Haus am Steinberg“ in Goslar, um im Rahmen der 4. Jahrestagung des AK Qualitative Methoden in einem ersten Block über das Fokusthema Qualitative Methoden, Daten und die Produktion sozialer Wirklichkeit zu diskutieren. Für einen zweiten Block wurden Themen außerhalb des Fokus ausgewählt, um die Debatte zu öffnen und weitere Dimensionen der qualitativen Methoden in der Geographie und raumsensiblen Sozial- und Kulturforschung in den Blick zu nehmen. Zudem bestand im Rahmen eines dritten Blocks die Möglichkeit, dass Forschende in einer Work in Progress-Session Datenmaterial aus ihren laufenden Forschungsarbeiten vorstellten und sie hinsichtlich methodischer, methodologischer und forschungspraktischer Überlegungen in kleineren Gruppen zu diskutieren. Das Programm bot damit einen fokussierten und dennoch die Heterogenität des Feldes abbildenden Einblick in qualitative Forschungsarbeiten innerhalb der Geographie und raumsensiblen Kultur- und Sozialwissenschaften.

In sechs Vorträges zum Fokusthema Qualitative Methoden, Daten und die Produktion sozialer Wirklichkeit adressierten die Vortragenden Raphaela Kogler (Wien); Tamara Schwertel (Frankfurt/Main); Julia von Mende (Aachen); Anna Barbara Heindl (Hannover); Theresia Leuenberger (Olten) sowie Daniel Schiller und Benjamin Zander (Osnabrück resp. Göttingen) unterschiedliche Aspekte der Herstellung sozialer Wirklichkeit(en) durch und mit qualitativen Methoden und Daten. Fragen danach, was in einem spezifischen Forschungsfeld je die sozialen Wirklichkeiten sind, die untersucht werden, wurden ebenso thematisiert wie die, inwiefern diese Wirklichkeiten durch die Untersuchungen und die Forschenden nicht auch (mit) hergestellt werden. Qualitative Methoden wurden hier sowohl als Instrumente als auch als eigenständige Modi der Produktion dieser Wirklichkeiten verstanden. Basierend auf den Vorträgen wurde zudem diskutiert, inwiefern fehlende Daten mit fehlenden Wirklichkeiten korrespondieren und in welcher Hinsicht von unterschiedlichen Ordnungen von sozialen Wirklichkeiten gesprochen werden kann.

Diese Themen begleiteten auch die Diskussionen der acht Vorträge außerhalb des Schwerpunktthemas. Hier stellten Laura Gebhardt (Berlin); Nora Küttel und Melike Peterson (Münster resp. Bremen); Sabine Hansmann (Braunschweig); Lisa Barthels (Leipzig); Monika Kitzmann (Hildesheim); Alexander Bräuer, Lorenz Gottwalles, Annika Stremmer und Manuel Wagner (alle Münster); Henriette Betram (Kassel) und Kati Mozygemba (Bremen) Ergebnisse aus Forschungsprojekten vor und adressierten dabei die verwendeten qualitativen Methoden in besonderer Weise. Das Spektrum der verwendeten Methoden war breit und reichte von der Integration von Fotografien und Videos über die Verwendung unterschiedlicher Arten von Skizzen und Zeichnungen bis zu Interviews und Dokumentenanalysen. Dabei wurde die Frage nach der Verbindung von theoretischen Zugriffen und gewählten Erhebungsmethoden ebenso diskutiert wie die Aufbereitung und Nachnutzung qualitativer Daten und die Berücksichtigung von Zufällen und Phasen des Nicht-Gelingens im Forschungsprozess.

Im dritten, sehr offen gehaltenen Format stellten schließlich sechs Forscherinnen ausgewähltes Datenmaterial aus ihren laufenden Forschungsarbeiten vor und diskutierten ihre Arbeitsschritte und damit verbundene Fragen mit den Teilnehmenden. Auf der Grundlage der kurzen Inputs von Lisanne Riedel (Bonn); Lena Lorenz (Münster); Hendrikje Alpermann (Lausanne); Franziska Lengerer (Braunschweig); Caroline Rozynek (Frankfurt) und Sina Selzer (Frankfurt) und des mitgebrachten empirischen Materials ergaben sich intensive und konstruktive Diskussionen der Forschungen.

Neben den fachlichen Vorträgen dienen die Treffen des Arbeitskreises vor allem der Vernetzung, des Informationsaustausches und der gegenseitigen Unterstützung. Die Jahressitzung 2020 bot demzufolge Zeit und Raum für Erfahrungsberichte aus dem universitären und praktischen Arbeits- und Forschungsalltag, für Austausch über wissenschaftliche und außerwissenschaftliche Karrierewege und Berufsfelder sowie über die weitere Ausrichtung des Arbeitskreises und der qualitativen Forschung.

Die 5. Jahrestagung mit dem Titel „Präsentation und Kommunikation 
qualitativer Daten und Forschungsergebnisse“ wird vom 08.-09.3.2021 wiederum im Tagungshaus „Haus am Steinberg“ in Goslar stattfinden und Raum für die Diskussion des Schwerpunktthemas und Offener Themen sowie für Work in Progress-Berichte bieten. Der Call for Paper wird Ende des Jahres 2020 veröffentlicht, die Anmeldung ist dann ab Januar 2021 möglich.

Der AK freut sich weiterhin über Interesse an der Arbeit; Interessierte können gerne mit den Sprecherinnen PD Dr. Anna-Lisa Müller (anna-lisa.mueller@uni-osnabrueck.de), Universität Osnabrück, und Dr. Jeannine Wintzer (jeannine.wintzer@giub.unibe.ch), Universität Bern, Kontakt aufnehmen.

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