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Neuerscheinung: ARL Reader Planungstheorie

Die Planungsdisziplin hat sich seit ihren Anfängen in den 1950er- und 1960er-Jahren zu einer in Forschung, Lehre und Praxis relevanten Wissenschaft entwickelt. Parallel zur Entwicklung der Stadt- und Raumplanung veränderte sich auch das Nachdenken über Planung, sowohl innerhalb der räumlichen Planung als auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Dies führte zur Herausbildung von Planungstheorien, deren Vermittlung heute in den Curricula aller Planungsstudiengänge verankert ist. Allerdings fehlte es bislang im deutschsprachigen Raum an einer aktuellen Bestandsaufnahme des internationalen planungstheoretischen Diskussionsstandes,die eine Grundlage bilden könnte für weiterführende Fachdiskurse.

Der von der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) unter Leitung von Thorsten Wiechmann eingesetzte Arbeitskreis „Planungstheorien – Stand und Perspektiven“ hatte sich zur Aufgabe gemacht, eine derartige Bestandsaufnahme in Form einer Reflexion ausgewählter planungstheoretischer Diskurse zu leisten, Defizite in der bisherigen Auseinandersetzung sowie offene Forschungsfragen zu identifizieren und damit einen Beitrag zur konzeptionellen Debatte in den Planungswissenschaften beizusteuern.

Reader zur Planungstheorie gibt es auch 50 Jahre nach Gründung der ersten deutschen Planungsfakultät in Dortmund im Jahr 1968 bisher nur in englischer Sprache: von dem ersten Kompendium A Reader in Planning Theory, herausgegeben von Andreas Faludi (1973), über das in vier Auflagen erschienene Standardwerk Readings in Planning Theory (Campbell/Fainstein 1996, Fainstein/Campbell 2003, 2012; Fainstein/DeFilippis 2016) bis hin zu neueren Textsammlungen wie dem dreibändigen Werk Critical Essays in Planning Theory (Hillier/Healey 2008) sowie dem aktuellen Routledge Handbook of Planning Theory (Gunder/Madanipour/Watson 2018).

Kompendien für den deutschsprachigen Raum wurden bisher bestenfalls als vorlesungsbegleitende Handapparate an Planungsschulen zusammengestellt, nichtaber einer breiteren Leserschaft zur Verfügung gestellt. Dies ist im Grunde erstaunlich, denn die englischsprachigen Werke sind weder in der Lage, deutschsprachige Debattenbeiträge zu vermitteln, noch richten sie sich in ihrer Zusammenstellung und Aufbereitung an ein deutschsprachiges Publikum. Aufgabe derartiger Reader ist ja nicht nur eine reine Anordnung bzw. Sammlung von Debattenbeiträgen, sondern die planungstheoretischen Debatten zusammenzufassen, einzuordnen und kritisch zu diskutieren.
Die Originalbeiträge stehen nicht solitär, sondern werden zueinander in Bezug gesetzt und in einen inhaltlichen Gesamtzusammenhang gestellt. Es geht nicht nur darum, einzelne, besonders lesenswerte Beiträge der planungstheoretischen Debatte pointiert aufzugreifen, sondern auch einen Gesamtüberblick und wechselseitige Verknüpfungen der Debatte zu vermitteln. Dies erfordert aber eine kontextspezifische Betrachtung.

Ziel des nun in zwei Bänden sowohl als E-Book als auch gedruckt als Softcover im Springer Spektrum-Verlag erschienenen ARL Reader Planungstheorie ist es, eine umfassende und dennoch zugespitzte Bestandsaufnahme des internationalen planungstheoretischen Diskussionsstandes aus der Sicht der deutschsprachigen Planungswissenschaft zu leisten. In Form eines Sammelbandes präsentiert der Reader hierfür debattenbestimmende Originaltexte national und international
bekannter Autor/innen, die sichtbare Spuren in den jeweiligen Debatten der letzten drei Jahrzehnte hinterlassen haben. Diese Originaltexte werden im Reader in eigenen Beiträgen zusammengefasst, kontextualisiert und diskutiert. Damit wird ein niedrigschwelliger Zugang zu den Debatten ermöglicht und mit weiteren Literaturhinweisen versehen, um je nach Interessenlage die jeweilige Thematik weiter vertiefen zu können.

Als erster Reader dieser Art im deutschsprachigen Raum ermöglichen die beiden Bände einen Einstieg und Überblick über ausgewählte Grundlagen der aktuellen planungstheoretischen Debatte für Studierende der Raum- und Planungswissenschaften sowie fachlich interessierte Wissenschaftler/innen. Aber auch den planungspraktisch Tätigen bietet das Werk einen Rahmen zur theoretischen Reflexion und analytischen Einordnung des eigenen Handelns bzw. des Berufsalltags in der Planungspraxis. Damit bietet es mittelbar auch Erklärungshilfen und Anregungen für die Lösung planungspraktischer Problemstellungen.

Literatur
Campbell, S.; Fainstein, S. S. (1996): Readings in planning theory. Cambridge, MA.
Fainstein, S. S.; Campbell, S. (2003): Readings in planning theory. Oxford.
Fainstein, S. S.; Campbell, S. (2012): Readings in planning theory. Oxford.
Fainstein, S. S.; DeFilippis, J. (2016): Readings in planning theory. Oxford.
Faludi, A. (1973): A reader in planning theory. Oxford.
Gunder, M.; Madanipour, A.; Watson, V. (Hrsg.) (2018): The Routledge handbook of planning theory. New York.
Hillier, J.; Healey, P. (2008): Critical Essays in Planning Theory (3 Vol.). Burlington.

Prof. Dr. Thorsten Wiechmann
Technische Universität Dortmund
Tel. +49 231 755 5428
thorsten.wiechmann@tu-dortmund.de

 

Kurzversion des Berichts(PDF)

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