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Verleihung des Peter-Meusburger-Promotionspreises „Geography and Knowledge“

Julia Nast erhält den ersten PETER-MEUSBURGER-PROMOTIONSPREIS „Geography and Knowledge“ 2019.

Am 6.12.2019 wurde erstmals der Peter-Meusburger-Promotionspreis “Geography and Knowledge“ im Kreis von Schüler/innen, Freund/innen und Angehörigen von Peter Meusburger in Heidelberg verliehen. Der Preis in Höhe von 2.000 € wird von einigen seiner Schüler/innen gestiftet, die damit ihrem akademischen Lehrer und seiner Verdienste für die Geographie und insbesondere die Bildungsgeographie gedenken.

Die erste Preisträgerin Frau Dr. Julia Nast überzeugte das Gutachter/innen-Gremium mit ihrer hervorragenden Dissertation mit dem Titel „Organisational Neighbourhood Inequality: Organisational Habitus and Practices in Primary Schools in Deprived and Privileged Neighbourhoods”. Die Dissertation von Frau Nast ist als Joint PhD an der Humboldt-Universität zu Berlin und am King’s College London entstanden. Sie hat einen originellen und sehr wertvollen bildungsgeographischen Forschungsbeitrag geleistet. Darüber hinaus ist Frau Nast eine Persönlichkeit, die in ihrem wissenschaftlichen Wirken internationale Mobilität mit interdisziplinärer Zusammenarbeit und transdisziplinärem Engagement auf eindrucksvolle Weise verbindet.

Die Dissertation setzt an der Frage an, wie Organisationen zu sozialer Ungleichheit zwischen Nachbarschaften beitragen und nimmt dazu Grundschulen in den Blick. Frau Nast argumentiert, dass Nachbarschaftssettings nicht nur dafür bedeutsam sind, was Kinder innerhalb und außerhalb der Schule voneinander lernen, sondern dass sie entscheidend beeinflussen, wie Schulen arbeiten, organisiert sind und was sie als Organisationen anbieten. Dieses Argument wird in der Arbeit entwickelt anhand von ethnographischen Daten und Tiefeninterviews mit Lehrer/innen und Eltern. Die empirische Forschungsarbeit von Frau Nast wurde an zwei Berliner Grundschulen durchgeführt, von denen eine in einer benachteiligten und die andere einer privilegierten Nachbarschaft liegt. Theoretisch verbindet sie dazu Pierre Bourdieus Konzeption von Feld, Habitus und Praxis mit Überlegungen des organisationssoziologischen Neo-Institutionalismus.

Frau Nast arbeitet in ihrer Dissertation eindrucksvoll heraus, wie lokale Nachbarschaften als eine Art „Scharnier“ fungieren und dazu führen, dass die dort befindlichen Schulen als Organisation auf unterschiedliche Weise sowohl durch interne objektive Machtstrukturen als auch durch politische und kulturelle Institutionen beeinflusst werden. Dies wiederum prägt den organisationalen Habitus der Lehrer/innen und entsprechend deren Praktiken. So lässt sich erklären, weshalb Lehrer/innen in den beiden Nachbarschaften verschiedene emotionale Praktiken umsetzen und es mehr oder weniger selbstverständlich akzeptieren, wenn Schüler/innen nicht erfolgreich sind. Darüber hinaus entwickeln Lehrer/innen ein unterschiedliches Verständnis davon, welche ihrer eigenen Praktiken im Unterrichten und im Umgang mit Kindern (noch) akzeptabel sind, so dass sich divergierende lokale Standards ergeben. Die Dissertation von Frau Nast trägt somit entscheidend zum Verständnis bei, wie sich unterschiedliche lokale Nachbarschaften auf Lernchancen der Kinder auswirken.

Verleihung des ersten Peter-Meusburger-Promotionspreises an Frau Dr. Julia Nast (In der vorderen Reihe 2. von links) am 6.12.2019 in Heidelberg (Photo: Punstein)

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