Prof. Dr. Olaf Bubenzer

Prof. Dr. Olaf Bubenzer

Dr. BubenzerOlaf Bubenzer hat seit Mitte 2012 eine Professur für Physische Geographie (W2) am Geographischen Institut der Universität zu Köln inne. Er leitet die Arbeitsgruppe Quartärforschung und Angewandte Geomorphologie sowie die Abteilung für Afrikaforschung. Nach seiner Promotion 1998 am Geographischen Institut der Universität zu Köln vertrat er von 2007 bis 2012 die Universitätsprofessur für Physische Geographie an der Universität Heidelberg. Dort war er u.a. Marsilius Fellow am Center for Advanced Studies im Rahmen der Exzellenzinitiative der Universität Heidelberg sowie erster geschäftsführender Direktor der Heidelberg Center for the Environment (HCE). Seine Forschungsschwerpunkte sind Geomorphologie, Quartärforschung, Landschaftsgenese und Geoarchäologie, denen er vor allem in Nordost-Afrika, im Ostmediterranraum, in Nordwest-China, Deutschland und in Trockengebieten nachgeht. Seit 2006 ist er Sekretär der Kommission „Arid Lands, Humankind, and Environment“ der International Geographical Union und seit 2008 ist er Sprecher des Arbeitskreises „Wüstenrandforschung“ in der Deutschen Gesellschaft für Geographie. Seit 2014 ist er Kassenwart des VGDH.

 

 

Herr Bubenzer, warum haben Sie sich eigentlich für die Geographie entschieden und warum sind Sie Geograph geworden?

Nach dem Abitur (mit einem Erdkunde-Leistungskurs) wollte ich zunächst mehr von den naturräumlichen Gegebenheiten und Wirkungszusammenhängen wissen. Die Geographie als Raumwissenschaft bot sich dafür im Besonderen an.

 

Was hat Sie während Ihres Geographie-Studiums am meisten fasziniert? Und was ist Ihnen am schwersten gefallen?

Ich habe Geographie auf Diplom studiert. Faszinierend fand ich, dass stets räumliche Wirkungszusammenhänge und deren Auswirkungen auf den Menschen analysiert werden und nicht nur im Hörsaal, sondern auch im Gelände und Labor gelernt werden kann. Bereits im Grundstudium konzentrierte ich mich auf die physische Umwelt und wählte die Nebenfächer Geologie und Meteorologie. Im Hauptstudium nahm ich dann noch Bodenkunde dazu. Schwer gefallen ist mir die Entscheidung für ein Diplomarbeitsthema. Ich wollte zunächst etwas zur Karstmorphologie beitragen, stellte jedoch fest, dass die örtliche Laborausstattung dafür nicht geeignet war. Im zweiten Anlauf entschied ich mich zu einem fluvialmorphologischen Thema. Zurückblickend empfinde ich jedoch, dass dieser Entscheidungsprozess wichtig für meine weitere Entwicklung war und berichte Studierenden auch gerne in Beratungsgesprächen davon.

 

Wo liegen Ihre eigenen Forschungsschwerpunkte? Warum? Was ist das Spannende daran?

Bereits im Zusammenhang mit meinem Promotionsthema, dass ich im Rahmen eines Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft erarbeitete, befasste ich mich mit Umwelt- und Landschaftsveränderungen und deren Auswirkungen auf den Menschen. Nachdem ich zunächst in Mitteleuropa gearbeitet habe, konnte ich seit 1996 in verschiedenen Trockengebieten forschen. Neben Untersuchungen zur Genese von Dünen und Wüsten interessieren mich hier vor allem Mensch-Umwelt-Wechselwirkungen. Hierfür bietet sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit in größeren Forschungsverbundprojekten insbesondere an. Die Standorte Köln und Heidelberg bieten dafür hervorragende Möglichkeiten. Spannend ist der Blick über den Tellerrand und die Chance, vor Ort Feldforschung betreiben zu können.

 

An welchem konkreten Projekten arbeiten Sie aktuell?

Ich bin mit zwei Projekten im Sonderforschungsbereich 806 „Our Way to Europe“ (www.sfb806.de) eingebunden. Hier arbeiten wir in Ägypten und Äthiopien sowie im Datenmanagement. Außerdem laufen Verbund-Projekte in der Slowakei (Frühbronzenzeitliche Landschafts- und Umweltveränderungen), Ägypten (Felsbildstation Wadi Sura) und China (Geoarchäologie an der Seidenstraße).

 

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Freude? Womit sind Sie unzufrieden?

Ich bin begeistert von Forschung und Lehre und den Möglichkeiten in Deutschland. Weniger begeistert bin ich von der zunehmenden Bürokratisierung im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur „Ökonomisierung“ der Universitäten.

 

Wo sehen Sie die Geographie als Wissenschaftsdisziplin heute?

Geographie war und ist eine Brückenwissenschaft mit Raumbezug. Wir haben große Erfahrung in der komplexen Betrachtung von Mensch-Umwelt-Wechselbeziehungen und deren räumlich-zeitlichen Auswirkungen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene. Globaler Wandel wirkt sich zum Beispiel vor allem lokal und regional aus, lokales Handeln kann in der Summe globale Auswirkungen haben. Hieraus ergeben sich große Herausforderungen für Forschung und Lehre aber auch große Chancen für die Geographie als Wissenschaft an der Schnittstelle zwischen Natur-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften. Konkret ergeben sich für meinen Bereich z.B. folgende Fragen: Wie reagieren die hochsensitiven Wüstenränder auf den Klimawandel und den zunehmenden Nutzungsdruck, welche Lehren lassen sich aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft ziehen, wie lassen sich Ressourcen (z.B. Wasser) nachhaltig nutzen?

 

Aus Ihrer Sicht: Wozu ist der Verband da, was soll er erreichen?

Der Verband hat aktuell etwa 940 Mitglieder. Er bündelt deren Interessen, betreibt Studien und Umfragen (z.B. Imagestudie, Gender equality) und stellt über das GEO-Büro in Köln verschiedene Serviceangebote bereit. Die Mitglieder werden über aktuelle Entwicklungen in der deutschen (Hochschul-)Geographie und Jobangebote informiert.

 

Was sind genau Ihre Aufgaben innerhalb des VGDH?

Kassenwart und Mitarbeit im GEO-Büro.

 

Welche Ziele verbinden Sie mit Ihrer Amtszeit? Was ist Ihnen besonders wichtig?

Stärkung des (Selbst-)Bewusstseins und der Wahrnehmung der Geographie in Wissenschaft, Politik und der breiten Öffentlichkeit.