CfP: Wohl und Wehe eines rationale(re)n Umgangs mit Katastrophen und Risiken

CfP: Wohl und Wehe eines rationale(re)n Umgangs mit Katastrophen und Risiken

06.04.2016

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Call for Papers: 9. Tagung und zehnjähriges Jubiläum des Katastrophennetzes am 13. und 14.09.2016, Universität Osnabrück, Institut für Geographie, Seminarstr. 19 ab, D-49074 Osnabrück

 

Immer seltener reicht der Verweis auf höhere Mächte, das Schicksal oder Naturgewalten, wenn eine Katastrophe zu beklagen ist; immer häufiger werden die Ursachen in Fehlentwicklungen und menschlichem (Fehl-)Verhalten vor Katastropheneintritt gesucht. Diese Ent-Magisierung wird gemeinhin begrüßt, erlaubt sie doch einen rationale(re)n Umgang mit Katastrophen und ihren Ursachen, bis hin zu planvoller Vermeidung zukünftiger Katastrophen: Wenn die Bedingungen des Katastropheneintritts bekannt sind und als veränderbar gelten, dann sind Katastrophen vermeidbar und können durch geeignete Maßnahmen verhindert werden.

Während Katastrophen früher etwas waren, was niemand wünschen durfte, sind sie inzwischen zum Geschäftsmodell geworden: An der Börse werden Gewinne mit Katastrophen gemacht, Fonds haben sich an der Finanzkrise bereichert, Banken empfehlen Aktien von Infrastrukturunternehmen, die am Wiederaufbau in Japan und in Nepal profitieren usw. Katastrophen zerstören nicht mehr nur Werte, sondern werden mehr und mehr zu einem Mechanismus ihrer Umverteilung. Statt Katastrophen zu vermeiden gilt es nun, Risiken abzuwägen: Welche Risiken sind akzeptabel und welche nicht, welches Kosten-Nutzen-Verhältnis ist angemessen und ab wann übersteigen die Kosten den Nutzen? Wissenschaftler*innen, Nichtregierungsorganisationen und staatliche Akteure träumen nicht von einer katastrophen­resistenteren Welt, sondern planen sie, erarbeiten Expertisen und konkrete Konzepte. Bei all dem ist Geld im Spiel, auch das macht einen Unterschied. Über solche Unterschiede soll diskutiert werden, denn mit der Entzauberung von Katastrophen treten neue Probleme und Dilemmata auf den Plan, etwa:

  • Werden Katastrophen zu Standardsituationen des Alltags?
  • Müssen wir uns daran gewöhnen, dass es selbstverständlich auch Katastrophen­gewinner*innen gibt?
  • Was wissen wir über die Verteilung von Gewinnen von Katastrophen?
  • Was bewirkt die Ökonomisierung von Katastrophe bei Betroffenen, berührt das nicht auch deren Deutungsmuster?
  • Bis zu welchem Punkt erscheint die gedankliche Vorwegnahme und proaktive Bearbeitung zukünftiger Katastrophen angemessen, wann ist sie das nicht mehr?
  • Worauf kann sich die Behauptung stützen, dass unser heutiges Ringen um Rationalität von Katastrophendeutungen weniger irrational sei als in der Vergangenheit?
  • Was sind die neuen Risiken des vermeintlich rationalen Umgangs mit Risiken und Katastrophen?

Kurzfassungen von Vortragsangeboten im Umfang von etwa 300 Worten sollen bis zum 10. Juni 2016 an Carsten Felgentreff geschickt werden (Carsten.Felgentreff@Uni-Osnabrueck.de). Tagungsgebühren werden nicht erhoben, Anreise- und Übernachtungskosten sind selbst zu tragen.

 

 

Wer oder was ist KatNet?

Das mailinglistenbasierte Katastrophennetzwerk (KatNet) zählt heute über 550 private und institutionelle Mitglieder. Die nicht zugangsbeschränkte Mailingliste dient dem Meinungs- und Informationsaustausch zwischen Katastrophenforschung und -praxis.

Seit Januar 2009 ist das Katastrophennetz ein eingetragener gemeinnütziger Verein – Katastrophennetz e.V. Der Verein will einen aktiven Beitrag leisten zur Vernetzung von Katastrophenforschung und -praxis. Dazu werden bspw.

  • Tagungen und Workshops durchgeführt,
  • ein Newsletter herausgegeben,
  • aktiv Kontakte forciert,
  • Medienarbeit betrieben usw.

 

Weitere Informationen über KatNet, vorangegangene Konferenzen sowie zur Mailingliste finden Sie auf http://www.katastrophennetz.de.

 

 

Informationen:

Kontakt: Carsten.Felgentreff@Uni-Osnabrueck.de

Homepage: http://www.katastrophennetz.de

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