CfP: Jahrestagung der AKs Bevölkerungsgeographie und Geographische Migrationsforschung vom 03.-04.05.2018 in Chemnitz

CfP: Jahrestagung der AKs Bevölkerungsgeographie und Geographische Migrationsforschung vom 03.-04.05.2018 in Chemnitz

19.12.2017

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Die Macht der Zahlen

Gemeinsame Jahrestagung der AKs „Bevölkerungsgeographie“ und „Geographische Migrationsforschung“ am 03./04. Mai 2018 an der TU Chemnitz

 

Call for Papers
Obgleich die Arbeitskreise „Bevölkerungsgeographie“ und „Geographische Migrationsforschung“ jeweils eigene Forschungsschwerpunkte haben, gibt es wesentliche Schnittstellen zwischen ihnen. Beide Arbeitskreise befassen sich mit Strukturen von Bevölkerung und mit Veränderungsprozessen, die durch Mobilität, Immobilität, gesellschaftlichen Wandel und externe Einflüsse zustande kommen und ihre Wirksamkeit auf verschiedenen räumlichen Betrachtungsebenen entfalten. Mitglieder der Arbeitskreise bearbeiten Themen wie „Demographischer Wandel“, „Globale Bevölkerungsentwicklung und Nachhaltigkeit“, „Migration“, „Flucht und Asyl“ sowie „Partizipation, Integration und Identität“. Sie bewegen sich damit in hochaktuellen Diskursfeldern mit starken Verknüpfungen zwischen wissenschaftlicher Arbeit, gesellschaftlich umkämpften Deutungsweisen, und politischen Entscheidungsprozessen.

 

Eine zentrale Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die Produktion und die Präsentation von Zahlen. Über die Produktion des zahlenbezogenen und daher oft objektiv erscheinenden Wissens wissen wir erst wenig. Bekannt ist vor allem, dass verschiedene Begrenzungen aus der Art und Weise der Beobachtung unseres Forschungsgegenstandes resultieren. Hier ist zuvorderst an die Folgeprobleme des methodologischen Nationalismus oder seiner segmentären Derivate zu denken, die aus der normativ-statistischen Zuordnung von Individuen zu politischen und administrativen Einheiten auf nationaler oder regionaler bzw. subnationaler Ebene resultieren (Nationen, Bezirke, Städte, Stadtteile u.a.). Die „Sesshaftigkeit“ von administrativen Daten, derer sich Forscher*innen bedienen, die Standortgebundenheit von Forschungsgeldern und die damit verbundenen Forschungsfoci erschweren die Entwicklung einer von staatlich-administrativen Kategorien und Rahmungen unabhängigen wissenschaftlichen Perspektive.

 

Ein aktuelles Beispiel für diese Problematik ist die Entstehung neuer Migrationsregime durch transnationale Mobilität, welche in ihrer Wirksamkeit und Strukturierung verschiedenste administrative und politische Ebenen durchschneiden, während das Wissen über diese Mobilitätsformen weiterhin auf der Basis von statischer, territorial gebundener Zähllogik generiert wird. Auch der weitgehende Ausschluss binnenstaatlicher Mobilität aus der Erforschung kommunaler
„Willkommenskultur“ lässt sich als ungewollte Folge eines durch Begriffe, tradierte Perspektiven und Rückgriff auf bestimmte Datensätze (hier: üblicherweise Daten zu internationalen Migrant*innen) begrenzten Blicks erklären. Ein anderes Beispiel ist die diskursive Rahmung der sog „Flüchtlingskrise“ in Deutschland und Europa auf Basis von Ankunftszahlen. Bei dieser eurozentrischen Perspektive geraten globale wie glokale Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge aus dem Blick, während umgekehrt essentialisierende Forschungsansätze und -projekte entstehen, angewendet oder durchgeführt werden.
Die gemeinsame Jahrestagung der AKs „Bevölkerungsgeographie“ und „Geographische Migrationsforschung“ greift diese Problematik auf. Anhand von konzeptionellen, empirischen und methodenreflektierenden Beiträgen ihrer Mitglieder wird diskutiert , wie forschungsbasiertes Wissen zu Fragen von Bevölkerungsentwicklung, Migration und Raum in einer Weise entstehen kann, die sensibel für die Produktion von und den Umgang mit Zahlen ist, an deren Entstehung, Nutzung und praktischer Relevanz die Forschung wesentlich beteiligt ist. Wir bitten um Einreichung von Vortragsangeboten oder Diskussionsinputs, die sich an den genannten Problemfeldern orientieren und die entweder aus konzeptioneller Perspektive oder anhand empirischer Felderfahrung die Problematik reflektieren können. Zudem begrüßen wir gerne auch weitere Vortragsvorschläge, die aus laufenden Forschungen aus den Bereichen der Bevölkerungsgeographie und der Geographischen Migrationsforschung berichten.

 

Bitte senden Sie Ihre Angebote (Abstract ca. 500-600 Worte) inklusive einer biographischen Kurznotiz (ca. 150-200 Worte) bis zum 22. Januar per mail an birgit.glorius@phil.tu-chemnitz.de.

 

Chemnitz, 18.12.2017
Birgit Glorius, Rainer Wehrhahn (für den AK Bevölkerungsgeographie)
Felicitas Hillmann, Andreas Farwick, Andreas Pott (für den AK Geographische Migrationsforschung)