CfP: 2. Gespräch zu aktuelle Ansätzen und Entwicklungen der Sozialgeographie

CfP: 2. Gespräch zu aktuelle Ansätzen und Entwicklungen der Sozialgeographie

08.02.2017

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Tagung / Call for Papers – 06.-07. Juli 2017 am Geographischen Institut der Universität Heidelberg

2. Gespräch zu aktuellen Ansätzen und Entwicklungen der Sozialgeographie
Geographien sozialer Krisen / Krisen sozialer Geographien

 
 
„Wir leben provisorisch, die Krise nimmt kein Ende“ ließ Erich Kästner seinen Fabian im Jahr 1931 sprechen. Diese Beobachtung scheint an Aktualität kaum verloren zu haben. Das gesellschaftliche Zusammenleben in Europa wird gegenwärtig verstärkt als krisenhaft wahrgenommen. Die Rede von der Krise lässt sich in den Sphären wirtschaftlicher, sozialer und politischer Zusammenhänge verstärkt ausmachen. Die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus zerrt am gesellschaftlichen Zusammenhalt. Austeritätspolitiken verschärfen sozialpolitische Krisen. Rechtsruck und die Renaissance der Identität als ernstgenommene politische Kategorie führen zur Krise tradierter Machtverhältnisse. Kaum scheint die sogenannte Flüchtlingskrise überwunden, verlagert sich das Gerede von der Krise in sicherheits- und integrationspolitische Diskurse. Der inflationär gebrauchte Begriff der „Krise“ flottiert frei in einer gesellschaftlichen Situation, deren atmosphärische Aufladung entweder von spannungsgeladenem Untergangspessimismus oder von hoffnungsvollem Umbruchsoptimismus geprägt ist.

 

Vor diesem gesellschaftspolitischen Hintergrund fallen der sozialwissenschaftlich ausgerichteten Geographie verschiedene Aufgaben zu. Zum einen werden gesellschaftliche Entwicklungen erfasst, beschrieben und interpretiert. Zum anderen gilt es theoretische und methodische Ansätze zu entwickeln, die eine zeitgemäße kritische Auseinandersetzung mit den genannten gesellschaftlichen Entwicklungen überhaupt erst ermöglichen.

 

In diesem Zusammenhang hat die Sozialgeographie ihr konzeptionelles Repertoire in den letzten Dekaden stark ausdifferenziert. Gleichwohl scheint es, dass das kritische Potential, in gesellschaftspolitischer Hinsicht zu ‚sozialen Fragen’ Stellung zu nehmen, derzeit noch zögerlich ausgeschöpft wird. Vielleicht ermöglicht die neue Vielfalt sozialgeographischer Ansätze aber auch, sich jenseits eines „richtigen“ Weges selbstbewusster in internationale, interdisziplinäre und öffentliche Debatten einzubringen.

 

Das 2. Gespräch zur Sozialgeographie will an den vielversprechenden Auftakt der Diskussion unterschiedlicher Perspektiven auf der ersten Tagung in Bonn vor zwei Jahren anknüpfen. Ziel der Tagung ist es, auszuloten, mit welchen sozialtheoretischen Ansätzen krisenhafte Praktiken sowie das gegenwärtige Gerede von der Krise in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen aus geographischer Perspektive adressiert werden kann. Es interessieren die zahlreichen Diskurse, Netzwerke, Assemblages, Sphären, Praktiken, usw. in denen Krisen entworfen, performt, regionalisiert, erfahren und verhandelt werden. Gleichzeitig wird auch dazu eingeladen, aus wissenssoziologischer und herrschaftskritischer Perspektive die Sozialgeographie selbst in ihrer Krisenhaftigkeit zu beobachten. Die Konferenz möchte die Möglichkeit geben, laufende Arbeiten, theoretische Entwürfe und empirische Ergebnisse zu diskutieren.

 

Geplant sind 25-30-minütige Vorträge in aufeinanderfolgenden Sitzungen, mit ausreichend Zeit für Diskussion. Für eine aktive Teilnahme erbitten die Organisatoren Jonathan Everts, Hans Gebhardt und Simon Runkel Vortragsangebote und Abstracts bis zum 30. April 2017 an folgende Adresse: sozialgeographie@uni-heidelberg.de