Bericht: 12. Jahrestagung des AK Geoarchäologie Tübingen

Bericht: 12. Jahrestagung des AK Geoarchäologie Tübingen

01.06.2016

12. Jahrestagung des AK Geoarchäologie Tübingen

 

 

Beim Arbeitskreis Geoarchäologie handelt es sich um einen interdisziplinären Zusammenschluss aus Geomorphologen, Geowissenschaftlern und Archäologen, der sich mit Fragestellungen an der Grenze zwischen Kultur- und Naturwissenschaften befasst und diese mit geowissenschaftlichen Methoden bearbeitet.Bild 1

Die 12. Jahrestagung des Arbeitskreises fand über das Himmelfahrtwochenende an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen statt. Gastgeber war das Organisationsteam um Prof. Dr. Christopher Miller von der Tübinger Arbeitsgruppe Geoarchäologie, die dort dem Fachbereich Geowissenschaften angegliedert ist. Tagungsort war die ehrwürdige Alte Aula in der Tübinger Altstadt.

 

An zwei Vortragstagen mit Postersession präsentierten unterschiedliche Arbeitsgruppen aus dem ganzen Bundesgebiet aktuelle Ergebnisse zu geoarchäologischen Forschungen mit Beispielen aus dem In- und Ausland sowie zu neuen Methoden. In besonderem Maße war das gastgebende Tübinger Institut beteiligt und zeigte u.a. neue Befunde aus dem Bereich Mikromorphologie.

 

Weitere Vorträge befassten sich mit geoarchäologischer Prospektion, u.a. im Stadtgebiet von Leipzig (Christian Tinapp und Ulrike Grimm), Bild 2Seeufersiedlungen in Südwestdeutschland (Tilman Baum), der Rekonstruktion römischer Hafenanlagen am Rhein (Renate Gerlach), neuen Möglichkeiten zur Untersuchung von Sedimentprofilen mittels lipider Biomarker (Hans von Suchodoletz), der Untersuchung vorchristlicher Besiedelung in Israel und Jordanien (Markus Fuchs und Bernhard Lucke) und anderen Themen.

 

Das reguläre Programm wurde ergänzt durch eine Keynote Adress von Prof. Paul Goldberg (University of Wollongong/Boston University), einem der international renommiertesten Geoarchäologen. Er berichtete aus mehr als 40 Jahren geoarchäologischer Forschung, u.a. in Südfrankreich und dem Rheineinzugsgebiet.

 

Dazu passte auch das Thema der ganztägigen Tagungsexkursion, die bei schönstem Frühlingswetter und frühsommerlichen Temperaturen im Achtal bei Blaubeuren am Rand der Schwäbischen Alb stattfand. Ziele waren nicht nur der Blautopf als eine der stärksten Karstquellen Deutschlands und das dortige Urgeschichtliche Museum mit der Venus vom Hohlefels, der wahrscheinlich ältesten figürlichen Menschendarstellung weltweit, sondern auch mehrere Höhlen. Dort präsentierten die Tübinger Kollegen eindrucksvolle Grabungsbefunde aus unterschiedlichen Sedimentfüllungen, aus denen sich mehrere paläolithische Besiedelungsphasen ableiten lassen.

 

Während eines zweistündigen Runden Tischs zum Thema „Geoarchäologie als Kulturwissenschaft“ diskutierten die Anwesenden u.a. die weitere Ausrichtung des Arbeitskreises, der seit einem Jahr unter neuer Leitung steht (Christopher Miller, Tübingen und Christian Stolz, Flensburg und Mainz). U.a. folgende Punkte wurden als Ziele definiert: Geoarchäologische Expertise soll verstärkt auch in die Landesämter getragen werden, verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Arbeitskreisen, eine gemeinsame Sprache finden, neue Publikationsstrategien und eine verstärkte Vernetzung mit internationalen geoarchäologischen Arbeitskreisen.

 Bild 3

In Bezug auf die Beteiligung der Mitglieder auf großen Konferenzen im vergangenen Jahr wurden mehrere geoarchäologische Sessions auf der EGU 2016 in Wien und die hervorragend besuchte Doppelsession zur Geoarchäologie auf dem Deutschen Kongress für Geographie in Berlin 2015 hervorgehoben.

Auf der Mitgliederversammlung des Arbeitskreises wurden schließlich die Organisation der nächsten beiden Jahrestagungen festgelegt. Für 2017 haben sich Bernhard Lucke (Univ. Erlangen-Nürnberg in Erlangen) und Martin Nadler (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Nürnberg) bereit erklärt, die Tagung auszurichten. 2018 wird ein Team rund um Hans von Suchodoletz (Leipzig) die Tagung organisieren. Der Tagungsort selbst steht jedoch noch nicht fest. Für 2019 ist eine Zusammenarbeit mit der internationalen Arbeitsgruppe Developing International Geoarchaeology (DIG) angedacht, die vorhat, ihr Jahrestreffen in Deutschland abzuhalten. Ein genauer Termin für 2017 steht noch nicht fest. Jedoch, so die einhellige Meinung der Mitglieder, soll die Tagung nach Möglichkeit zukünftig nach dem Himmelfahrt-Wochenende stattfinden (Fotos: Matthias Czechowski; Text: Christian Stolz).

 

Fotos:

Bild 1: Gruppenfoto der Tagungsteilnehmer/innen vor der Alten Aula in Tübingen

Bild 2: Katrin Geiger (Köln) erhält von Christopher Miller eine Auszeichnung für das beste studentische Poster.

Bild 3: Dagmar Fritzsch (Frankfurt) nimmt den Preis für das beste Poster im Bereich Postdocs entgegen.