5.392 Unterschriften gegen die Schließung der Geographie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

5.392 Unterschriften gegen die Schließung der Geographie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

23.10.2014

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Am 17. September 2014 hat Herr Professor Dr. Frühauf die Petition “GEO BLEIBT”  gegen die Schließung der Geographie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg an den Rektor, Professor Dr. Udo Stäter, überreicht.

5.392 Unterschriften sind im Petitionszeitraum eingegangen.

 


Artikel von Prof. Dr. Manfred Frühauf aus dem Rundbrief GEOGRAPHIE, Heft 251

Breiter Protest gegen im Hochschulstrukturplan des Ministeriums für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt vorgeschlagene Schließung des Instituts für Geowissenschaften und Geographie in Halle

Kurz vor Beginn des Sommersemesters 2014 legte das Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt unter Minister Hartmut Möllring seinen Hochschulstrukturplanentwurf für den Zeitraum bis 2025 vor (aktuell in der Fassung vom 6. Mai 2014[1]). Das Ministerium beschreibt darin erhebliche Mittelkürzungen bei den Hochschulen des Landes und beruft sich in dem Papier auf die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Weiterentwicklung des Hochschulsystems in Sachsen-Anhalt[2]. Die Analyse beider Dokumente lässt jedoch den Schluss zu, dass der Hochschulstrukturplan insgesamt konträr zu dem Gutachten des Beirates steht, da Ideen zur „Weiterentwicklung des Hochschulsystems“ gänzlich fehlen. Das Ministerium geht sogar so weit, dass es durch konkrete Pläne zur Streichung von Studiengängen und Instituten tief in die Autonomie der Hochschulen eingreifen möchte, ein aus unserer Sicht unhaltbarer Vorgang! Wie auch beim letzten Umstrukturierungsplan des Jahres 2003, soll dies wiederum zu Lasten der Geowissenschaften und Geographie in Halle gehen. Durch die damaligen Beschlüsse wurden ohne jegliche Begründung allein in der Geographie drei Professuren nicht wiederbesetzt. Dies führte zwangsläufig zu der jetzigen Altersstruktur des Kollegiums, die als maßgebliche und ausschließliche Basis für die jetzige Strukturpolitik der Universität dient. Andere Kriterien, wie beispielsweise Drittmittel, Studierendenzahlen, nationale und internationale Vernetzungen in Forschung und Lehre sowie innovative und sehr nachgefragte Studiengänge spielen als Entscheidungskriterien bei den Verantwortlichen bisher leider nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle! Im Klartext heißt das: Das Institut für Geowissenschaften und Geographie soll mit all seinen Studiengängen bis 2025 abgewickelt werden.

Sachsen-Anhalt mit seinen besonderen landschaftlichen Bedingungen, Nutzungsgegebenheiten sowie gegenwärtigen Problemen (u.a. Erscheinungsformen und Folgen des klimatischen sowie demographischen Wandels) wäre damit künftig das einzige Flächen-Bundesland, welches auf eine landeseigene Kompetenz des Faches Geographie verzichtet. Eine sachlich-inhaltliche Begründung hierfür bleiben Ministerium und Universitätsleitung selbst auf mehrfache Anfragen hin schuldig. Aus den verfügbaren Dokumenten ist lediglich zu entnehmen, dass alle Professoren unseres Instituts (wie überwiegend auch die der anderen von der Schließung bedrohten Einrichtungen[3]) bis zum Jahr 2025 nach und nach das Ruhestandsalter erreichen. Somit wird offensichtlich ein rein altersbezogener, personalpolitischer, aber kein inhaltlicher Ansatz zur Lösung struktureller und ökonomischer Probleme zur Finanzierung der Hochschulen des Landes gewählt. Ob Universitätsleitung und Politik künftig wichtige Strukturentscheidungen durch solch ein Vorgehen treffen wollen, oder hiermit nur geringere Widerstände bei der Umsetzung von notwendigen Sparmaßnahmen erwarten, ist bisher aus den Diskussionen nicht entnehmbar.

Inzwischen sind zahllose sachlich fundierte Argumente zum Erhalt und zur weiteren Entwicklung unseres Institutes in Stellungnahmen eingeflossen und eine Vielzahl von Protestaktionen gegen die Schließung erfolgt (nachzulesen auf den Seiten unseres ALUMNI-Portals[4]). Unsere Aktivitäten wurden dabei u.a. von Fachverbänden (VGDH – Präsident Prof. Gans, DGfG – Präsident Prof. Gamerith ) und Wissenschaftsinstitutionen (Leopoldina – Prof. Endlicher) unterstützt. Größte öffentliche Aufmerksamkeit erreichte die Protestdemonstration am 29. April 2014 durch alle von der Schließung betroffenen Institute der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Aus einer spontanen Aktion wurde eine Großdemonstration mit über 6.500 TeilnehmerInnen! Darüber hinaus wurde vom VGDH die Online-Petition „GEO Bleibt![5]“ initiiert. Mit Ende der Zeichnungsfrist am 27.08.2014 sind 6.552 Unterschriften zu verzeichnen. An dieser Stelle möchten wir uns für die mit der Petition einher gehende breite und zielgerichtete Unterstützung bedanken. Wir sind davon überzeugt, dass die Geographie in Halle auch weiterhin neben einer qualitativ hochwertigen Bildung und überregionalen Forschung unabdingbare Beiträge für die Lösung der zukünftigen Herausforderungen für das Land-Sachsen Anhalt (Klimawandel, Demographischer Wandel, Bergbau) und den Mitteldeutschen Raum leisten soll.

Noch ist die Schließung des Instituts nicht definitiv. Aber wie geht es weiter? Welche zeitnahen Schritte sind geplant?

Die Martin-Luther-Universität hat im Juni eine neue Universitätsleitung gewählt. Diese wird ihre Arbeit mit dem Wintersemester 2014/2015 aufnehmen. Es bleibt abzuwarten, wie sie sich zu den vorliegenden Plänen positionieren und welche Ideen und Visionen sie für die zukünftige Entwicklung der Universität präsentieren wird. Derzeit (September 2014) befinden sich die politischen Gremien in der Sommerpause, so dass wir bisher von offizieller Seite nur wenige Reaktionen auf unsere Argumente erhalten haben. Die Zeit drängt, da bis zum Jahresende die Finanzierung der Hochschulen des Landes für 2015 vom Parlament debattiert und beschlossen werden muss. Gleiches gilt für die Zielvereinbarung der Universität mit dem Land. Diesen Prozess werden wir weiterhin mit großer Aufmerksamkeit und Wachsamkeit begleiten, unsere Argumente zum Erhalt und zur Weiterentwicklung unseres Standortes einbringen und unsere fast 1.000 Studierenden über den jeweiligen Stand der Entwicklung informieren sowie für weitere Proteste mobilisieren. Für Ihre Unterstützung unserer diesbezüglichen Aktivitäten am Traditionsstandort Halle sind wir schon jetzt dankbar.

Gegenwärtig bereiten wir die Übergabe der Ergebnisse der Petition “GEO Bleibt!” an die Universitätsleitung und den Landtag vor. Darüber hinaus suchen wir aktiv den Dialog mit Entscheidungsträgern aus Politik und Hochschule, um sie von der Notwendigkeit zum Erhalt unserer wissenschaftlichen Kompetenzen für das Land Sachsen-Anhalt zu überzeugen. In Kürze muss zudem vom Rektorat bzw. Senat über die Wiederbesetzung unserer Professur für Raum- und Umweltplanung verfügt werden. Ein positives Ergebnis hätte eine weichenstellende Signalwirkung für unser Fach hier in Halle.

Wir wissen zudem durch die aktuellen Diskussionen in der Politik um den Grundsatz, dass nicht zuletzt angesichts des akuten Lehrermangels in unserem Bundesland für alle Fächer der Stundentafel unserer Schulen auch Lehrer in Sachsen-Anhalt ausgebildet werden sollen. In die Hochschulstrukturdiskussionen mischen wir uns weiter aktiv ein. Dabei hoffen wir auf eine breite nationale und internationale Unterstützung, um durch das Einbringen unserer strukturellen und inhaltlichen Konzepte sowie wissenschaftlichen Expertisen weiterhin Perspektiven für eine moderne, zukunftsorientierte geographische Forschung und Lehre am Standort Halle zu gestalten.

Kontakt:
Prof. Dr. Manfred Frühauf
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Stellvertretender Direktor des Instituts für Geowissenschaften und Geographie
Von-Seckendorff-Platz 4
06120 Halle (Saale)
E-Mail: manfred.fruehauf@geo.uni-halle.de

[1] http://www.mw.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MW/Presse/Hochschulstrukturplan_2014.pdf

[2] http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/3231-13.pdf

[3] Psychologie, Medienwissenschaften, Sportwissenschaften, Informatik , Studienkolleg

[4] http://paradigmaps.geo.uni-halle.de/alumni/

[5] https://www.openpetition.de/petition/online/geo-bleibt-gegen-die-geplante-schliessung-der-geographie-an-der-mlu-halle-wittenberg